Hier finden Sie eine Auswahl der aktuellen Projekte und Konzertprogramme.

 

sichtbare musik   Konzertreihe 2010/2011

Am 12. Oktober 2010 beginnt die Konzertreihe sichtbare musik des ensemble mosaik in Berlin. Hier werden Kompositionen aufgeführt, die dem visuellen Kontext von Livemusik besondere Bedeutung beimessen und ihn bewusst einbeziehen. Jedes Konzert wird geprägt durch die konzentrierte Präsenz der Musiker, den Einsatz ihrer Körper zur Klangerzeugung, das Instrumentarium sowie die konkrete Raumsituation.

sichtbare musik ist eine Forschungsreihe über die Kunstform Konzert selbst. Der innovative Ansatz der Konzertreihe besteht nicht allein in der programmatischen Ausrichtung und der Zusammenarbeit mit jungen, äußerst erfinderischen Komponisten. Vielmehr ist die Fragestellung, in welchem Rahmen innovative Kompositionen einem Publikum vorgestellt werden können, der den Werken gerechter wird als die herkömmliche und meist unhinterfragt eingesetzten Rituale der Aufführung.

Die Konzertreihe besteht aus den fünf Konzerten mit den Titeln versteckte klänge, diskrete maschinen, fundstücke, bilder hören und drinnen und draußen.

Jedes Konzert eröffnet dem Zuhörer einen besonderen „Blickwinkel“ auf die Musik. „Performance“ und „selbstgebaute Instrumente“ sind die Themen der ersten beiden Konzerte. Während bei versteckte klänge die Bewegung der Musiker im Raum und deren agieren auf der Bühne im Vordergrund steht, übernehmen in diskrete maschinen von den Komponisten geschaffene Klangkörper und Apparate die Hauptrolle. Die Regisseurinnen Tatjana Heiniger und Beate Baron werden behutsam die musikalische Visualität der aufgeführten Werke gestalten.

Jedes Konzerterlebnis wird geprägt durch die konzentrierte Präsenz der Musiker, deren körperlichen Einsatz zur Klangerzeugung, das Instrumentarium sowie die konkrete Raumsituation. Das Liveerlebnis von Musik wird in einem konkreten visuellen Zusammenhang wahrgenommen.
Die Klangquellen sind visuell nachvollziehbar, Instrumente, Gestik und Mimik der Musiker stehen in unmittelbarer Verbindung zum Hörerlebnis. Innovative Interfaces erlauben dem Publikum ein visuelles Erfahren elektronischer Klangelemente, Video wird als gleichwertiges Medium eingesetzt, jeder Abend wird gemeinsam mit einem Regisseur eingerichtet. Das Ziel ist, dass der Zuhörer auch „mit den Augen lauschen“ kann.

Zu den Einzelkonzerten:

versteckte klänge
diskrete maschinen

 

versteckte klänge

 
Programm

 Alan Hilario karaoke exotique remix  2009
 Alexander Schubert Weapon of choice
 2009
 Petros Ovsepyan I
 1999
 Simon Steen-Andersen In spite of, and maybe even therefore  2007
 Annesley Black snow job  2010

  

 ensemble mosaik: Enno Poppe - Leitung, Bettina Junge - Flöte, Simon Strasser - Oboe, Christian Vogel - Klarinette, Martin Losert - Saxophon, Noam Yogev - Horn, Chatschatur Kanajan - Violine, Karen Lorenz - Viola, Mathis Mayr - Violoncello, Roland Neffe - Schlagzeug, Ernst Surberg - Klavier, Daniel Plewe - Klangregie
 Inszenierung: Beate Baron

 

In versteckte klänge geht es um die „Sichtbarkeit“ der Musiker, ihre Bewegungen beim Spielen der Instrumente. Gestik und Mimik, konzentrierte Intensität und körperliche Klanggestaltung sind Teil der Musik dieses Projektes. Die Präsenz des Musikers wird zum Thema, Verhältnisse von Klang und Bewegung, von Ursache und Wirkung werden umgekehrt. Beate Baron ist eine erfahrene Musiktheater-Regisseurin. Sie wird sowohl die einzelnen Stücke mit den Musikern proben als auch das ganze Konzert in einen Gesamtzusammenhang stellen.

Alan Hilarios karaoke exotique remix präsentiert „Miniaturszenen“: es handelt sich dabei um 21 inszenierte Musikfragmente. In verschiedenen Besetzungen positionieren sich die Musiker gemäß der Partitur im Raum - auch mal zu sechst am Klavier. Es geht dabei um die Energie, die vor und nach der Musik von den beteiligten Musikern ausgeht und von Hilario in musikalischen Momentaufnahmen festgehalten wird.

In den Kompositionen I - IV von Petros Ovsepyan setzt sich die komponierte Intensität in Mimik und Spiel-bewegungen der Musiker fort. Zeitlupenhaft „verkörpern“ die Musiker crescendi und decrescendi, fortissimo- und pianissimo-Klänge im wörtlichen Sinn. Die klangbegleitende Bewegung, das Ausholen und Einatmen wird selbst zum Klangerlebnis.

Simon Steen Andersen stellt in seinem Werk In spite of, and maybe even therefore zwei Szenarien auf die Bühne: Kontrafagott, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug betätigen sich im hintersten Bühnenteil mit größtmöglicher unverstärkter Intensität, während im vorderen Bühnenteil ein Bläsertrio am Tisch Platz nimmt und sich in zartesten, jedoch verstärkten Beethoventönen versucht. Die Musiken durchdringen sich gegenseitig in störender Absicht und treffen sich auf der Ebene vergeblicher Beharrlichkeit. Auch wenn die Instrumente immer unbrauchbarer, die Fragmente immer unverständlicher werden - die Klangwelten setzen sich in Geste und Hörerwartung fort.

Annesley Black wird ein neues Stück für das ensemble mosaik schreiben. Ihre Musik beschäftigt sich intensiv mit Bühnensituationen und Bewegung. Die neue Komposition behandelt vor allem das Nicht-Sichtbare. Musiker und Klänge werden „versteckt“.

" Verstecken heißt: Spuren hinterlassen. Aber unsichtbare. Es ist die Kunst der leichten Hand.
... je luftiger ein Versteck, desto geistreicher. Je freier es dem Blick nach allen Seiten preisgibt, desto besser.
... drei Urprinzipien oder Anfangsgründen aller Verstecke-Kunst:
... das Prinzipium der Klammer
... das Prinzipium der Füllung
... das Prinzipium der Höhe und Tiefe…"

(W. Benjamin: Der Enthüllte Osterhase oder Kleine Versteck-Lehre)

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diskrete maschinen

  Programm

 Eduardo Moguillansky Bauauf  2009
 Wolfgang Heiniger Sehnsucht  2009
 Genoel von Lilienstern

Flibustier

 2010

 Marianthi Papalexandri-
 
Alexandri

Operator  2010

  

 ensemble mosaik: Enno Poppe - Leitung, Bettina Junge - Flöte, Simon Strasser - Oboe, Christian Vogel - Klarinette,Martin Losert - Saxophon, Chatschatur Kanajan - Violine, Karen Lorenz - Viola, Mathis Mayr - Violoncello, Roland Neffe - Schlagzeug, Ernst Surberg - Klavier, Daniel Plewe - Klangregie
 Inszenierung:

Thomas Fiedler

 

In diskrete maschinen stehen die Instrumente im Zentrum. Für ihre Kompositionen haben die Komponisten Klangkörper geschaffen, deren sinnliche Präsenz über ihre klanglichen Funktionen hinausweist. Kammermusik mit Maschinen, ein performatives Wechselspiel mit akustischen und visuellen Überraschungen. Der Reiz mechanischer Konstruktionen, das nostalgische Spiel mit scheinbar sinnlosen Apparaten kontrastiert mit digitalen Geräten wie dem iPod, deren baldige Historizität ihnen schon eingeschrieben ist. Tatjana Heiniger hat 2008 mit der Inszenierung der deutschen Erstaufführung von Claude Viviers einziger Oper Kopernikus – opéra-rituel de mort auf sich aufmerksam gemacht. Sie ist derzeit künstlerische Assistentin von Willy Decker und Musiktheaterdramaturgin bei der Ruhrtriennale 2009-2011.

Eduardo Moguillansky kreiert ein sensibles Klanggebilde, das schlicht konstruierten Holzkisten entlockt wird. Diese Schlichtheit der „Instrumente“ steht dabei im einem deutlichen Kontrast zur detaillierten Genauigkeit seiner Komposition. Die Musiker sitzen hierzu an Tischen - nur vereinzelt verwenden sie ihre „klassischen“ Instrumente, um den perkussiven Verläufen Töne oder kurze instrumentale Phrasen beizumischen.

Wolfgang Heiniger schafft in seinem neuen Stück Sehnsucht eine Symbiose von Keyboard und fünf selbstspielenden Trommeln. Die im Raum verteilten Trommeln begegnen dabei dem Pianisten mit schein-barer Selbständigkeit: eingebaute Lautsprecher produzieren auf Kommando des Keyboards Geräusche, die die Trommelfelle zu kuriosen Wirbeln und anderen Unspielbarkeiten anregen.

Das ensemble mosaik setzt seine Zusammenarbeit mit dem Komponisten Genoel von Lilienstern in diesem Kontext fort: es entstand ein neues Stück für Musiker und Roboter. Die vom Komponisten konstruierten Maschinen beinhalten Lautsprecher, deren Klang mittels mechanischer Einwirkung beeinflusst werden kann. Das Musikinstrument Lautsprecher wird durch diese Konzeption ganz neu kontextualisiert. Die Maschinen treten visuell und klanglich mit den Musikern des Ensembles in Kommunikation.

Marianthi Papalexandri-Alexandri baut gemeinsam mit dem Künstler Pe Lang kleine Maschinen, die traditionellen Instrumenten hinzugefügt werden, oder auch ein klangliches Eigenleben führen. Mit Hilfe kleiner Motoren werden etwa rotierende Ketten oder Spulen zur Anregung von Schlaginstrumenten und Klaviersaiten verwendet; Streichinstrumente werden durch winzige elektromagnetische Geräte in Schwingung versetzt. Die Zartheit und Klarheit dieser Konstruktionen sind von beeindruckender Schönheit, dabei immer vom Klangergebnis her konzipiert. Für Operator entwickelt sie kleine Lautsprecher, die die Instrumente aus ihrem Inneren mit Klangmaterial verfremden, das über iPods eingespeist wird.

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