Der amerikanische Komponist Morton Subotnick ist eine lebende Legende elektronischer Musik. Für junge Elektronik-Fans ist Morton Subotnick ein Held. Der 77 jährige Erfinder des ersten Analog-Synthesizers wurde im Frühling auf dem Cover der Elektro-Lifestyle Zeitschrift De:Bug gefeatured. In seiner Kammeroper Jacob’s Room begleitet das Publikum den Überlebenden Jacob auf einer Reise in seine Erinnerung. Hier begegnet er seiner Mutter und seinem Großvater und muss sich den traumatischen Erlebnissen seiner Kindheit stellen. In Mirella Weingartens Inszenierung mit dem Live-Video des Künstlers Lillevan und unter der musikalischen Leitung von Ari Benjamin Meyers entsteht ein Ort zwischen Traum und Wirklichkeit, an dem sich Figuren und Geschehnisse, Klänge und Bilder dynamisch verbinden und aufeinander angewiesen sind – stets in Gefahr, die Balance zu verlieren.

Jacob ist ein Überlebender – und doch kann er nicht leben, weil er die Erinnerungen an ein schreckliches Kindheitserlebnis verdrängt. Eine Frau erscheint, die Jacob auf eine Reise durch seine eigene Psyche führt, eine Reise in Jacob's Room. Hier muss er sich dem Schrecken jener extremen Gefühle stellen, die mit seinem Erleben eines Holocausts einhergehen. Jacob erinnert sich: er erinnert sich an die Schreie seiner Mutter, die für ihren Sohn gestorben ist; er erinnert sich an das Wehklagen seines Großvaters, der ihn rettete und an dessen Wut. Wut auf einen ungerechten Gott, Wut auf die ganze Menschheit.

Morton Subotnicks Oper Jacob’s Room gleicht einem Gebet, ist wie eine Bitte um Geleit, ein kollektiver Schrei um Hilfe. Die hypnotischen Schleifen von Subotnicks Musik versetzen das Publikum in einen musikalischen Gebetsraum, an einen Ort zwischen Traum und Wirklichkeit, einen Raum des Assoziierens, in dem Klänge, Erinnerungen und Bilder miteinander verschmelzen.

Morton Subotnicks Laufbahn als Komponist ist gekennzeichnet von zwei entscheidenden Merkmalen: Seiner Leidenschaft für die Verbindung von Musik mit anderen Medien und seiner Erforschung der Elektronik. Seine Kammeroper Jacob’s Room ist in enger Zusammenarbeit mit dem Produktionsteam entstanden und ist das Ergebnis einer gemeinsamen künstlerischen Konzeption.